Frau Perfekt ist defekt!

Ein paar Profi-Tipps für mein Umfeld

 
 
 
 
Zunächst würde ich gerne von meiner persönlichen Seite aus sagen: Es ist gerade nicht leicht für mich, mit Hilfe umzugehen. Besonders schlimm muss es für meine Kinder und meine Familie sein.
Ich weiss dass es alle gut meinen und helfen möchten, viele gut gemeinte Sätze, lösen aber in mir tiefe Schuldgefühle aus! 
Meine Schwester sagte neulich zu mir: "Ich würde Dich gerne mit ins Kino oder in ein Café nehmen, aber ich weiss nicht, ob Dich meine Frage in Bedrängnis bringt, weil ich weiss dass Du nicht gerne absagst". Da habe ich mich total verstanden gefühlt. Ich wusste dass sie gerne etwas mit mir unternehmen möchte, liess mir jedoch den Zeitpunkt offen. So hatte ich die Möglichkeit einen "guten Tag" abzupassen und sie dann zu fragen, ob Sie auch Zeit und Lust hat. Ich hatte einen tollen Schwesternabend mit ihr. Das hat mir Kraft und Mut gegeben. (Danke Ela)
 
 
Ein Ereignis trübte jedoch die gute Stimmung und hätte mich fast wieder aus der Bahn geworfen. Eine Freundin hatte ein Liebestechnisches "Problem". Sie bat mich darum, ihr Problem anzuhören und bei der Lösung zu helfen. Dazu bin ich aber momentan nicht in der Lage. Ich fühle mich wie ein Autist, ich kann weder meine eigenen Gefühle wahrnehmen, noch die, meiner Mitmenschen. Ausserdem habe ich auch ein psychoisch krankes Kind zuhause und dahin geht derzeit auch 50% meiner Aufmerksamkeit, die Jungs bekommen leider nur je 25%. Bevor ich mich also um andere "Probleme" kümmere, hätten meine Kinder mich auch mal wieder dringend nötig. 
Dennoch kamen natürlich sofort schlimmste Schuldgefühle hoch. Eine knappe Antwort und ein böser Post bei facebook liessen also auch keinen Zweifel daran, dass diese Freundin zwar grundsätzlich weiss, wie schlecht es mir geht, sie ihre Bedürfnisse aber über meine stellt und mir das Gefühl gibt: "Stell dich nicht so beschissen an und Hilf mir". 
Die Freunde, die sich damit beschäftigt haben, wie es mir gerade geht, wären nicht auf die Idee gekommen überhaupt nach Pröblemlösungen zu fragen, man fragt doch auch niemanden der sich ein Bein gebrochen hat, ob er ihm bitte schnell was einkaufen geht, weil man sich selbst gerade nicht gut fühlt!? 
 
Die Akzeptanz ist einfach bei vielen nicht da, für psychische Erkrankungen und schon gar nicht bei Frau Perfekt, die ja sonst immer alles im Griff hatte. 
 
An dieser Stelle würde ich gerne die Profis zitieren:
 

Vorab etwas Grundsätzliches

Sie müssen vor allem wissen, dass eine Depression eine sehr ernste Sache ist. Auch wenn es von außen manchmal nicht leicht nachzuvollziehen ist: Der Betroffene simuliert nicht, sondern leidet wirklich – und das in einem hohen Maß. Auch eine depressive Verstimmung ist für den Betroffenen schlimm. Wann eine “echte” Depression vorliegt und wann eine depressive Verstimmung, vermag wohl ein ausgebildeter Therapeut oder Arzt zu sagen. Letztlich ist das für Sie aber auch unerheblich. Werten und urteilen Sie nicht, sondern akzeptieren Sie, dass der Betroffene leidet und geben Sie ihm oder ihr das Gefühl, da zu sein.

 

Sie können nicht allzu viel tun, aber immerhin…

Viel ist es nicht, was Sie tun können. Wenn Sie selbst kein ausgebildeter Psychologe oder Therapeut sind, sind Ihre Möglichkeiten sehr begrenzt. Oft ist es fast entscheidender, was Sie alles nicht tun sollten, wenngleich es auch ein paar Dinge gibt, die Sie tatsächlich machen können. Lesen Sie im folgenden unsere Tipps dazu:

 

Was Sie nicht tun oder sagen sollten, wenn jemand depressiv ist

 

 

 

 

Trivialisieren Sie die Depression oder depressive Stimmung nie

Versuchen Sie nicht, die Depression herunterzuspielen oder so zu tun, als wäre das alles nicht so schlimm. Ein depressiver Mensch leidet wirklich und wenn Sie sein Leiden herunterspielen, machen Sie die Situation für den Depressiven noch schlimmer. Ein harmloser Satz wie z.B. “Schau doch mal aus dem Fenster, wie schön die Sonne scheint” wirkt auf eine depressive Person furchtbar. Einerseits ist das Wetter vollkommen bedeutungslos für jemanden, der tief in einer Depression steckt. Und andererseits will er sich ja freuen können und weiß, dass es nicht angemessen ist, bei schönem Wetter deprimiert zu sein. So wird der Sonnenschein draußen als persönliches Scheitern erlebt und verstärkt noch die Depression.

Vergleichen Sie die Depression nicht mit Ihren eigenen Stimmungen

Sie sollten dem anderen auch nicht sagen, dass Sie selbst ebenfalls öfter deprimiert sind und dass Sie alles deshalb gut verstehen können. Erstens ist es wichtig, einen depressiven Menschen mit seinem Leid ernst zu nehmen und zweitens wäre die Tatsache, dass es auch Ihnen schon schlecht ging, keine Hilfe. Der andere fühlt sich dann eher noch schlechter oder bekommt das Gefühl, dass er mit seinem Leid gar keine Berechtigung hat, weil es anderen noch schlechter geht. Auch das wäre wieder ein weiterer Auslöser, sich noch deprimierter zu fühlen.

Sagen Sie nichts, was Schuldgefühle bereitet

Vermeiden Sie es auf jeden Fall, etwas zu sagen, was bei dem Deprimierten Schuldgefühle auslösen könnte. Weisen Sie ihn oder sie z.B. nicht daraufhin, wie gut er oder sie es doch hat oder dass es so viele Menschen gibt, die viel schlimmer dran sind. Auch der Hinweis, dass der Depressive andere Menschen belastet und ihnen Sorgen macht, ist überhaupt nicht hilfreich. Schuldgefühle sind in den meisten Fällen ein Hauptelement der Depression und ein Mehr an Schuldgefühlen verschärfen auch die Depression.

Versuchen Sie nicht, dem anderen durch Provokation zu helfen

Viele Menschen werden angesichts eines depressiven Menschen hilflos und reagieren oft aus dieser Hilflosigkeit heraus aggressiv. Sie versuchen den anderen dann vielleicht zu provozieren und so aus seinem seelischen Tief herauszubekommen. Tun Sie das nicht. Jemand, der deprimiert ist, kann mit Ihren Provokationen nicht umgehen. Sie werden ihn oder sie nur noch darin bestätigen, “nichts wert zu sein”.

Versuchen Sie nicht, den anderen aufzuheitern

Viele versuchen, einen deprimierten Menschen mit kleinen Witzen oder Späßen aufzuheitern. Das ist lieb gemeint, wird aber nicht funktionieren. Im Gegenteil – damit zeigen Sie dem anderen nur noch mehr, dass er nicht in der Lage ist, “normal” zu sein und über bestimmte Dinge zu lachen. Jeder Witz, über den der Depressive nicht lachen kann, ist ein weiterer Verstärker der depressiven Stimmung. Es ist für ihn oder sie wie ein Scheitern und wird als persönliche Unzulänglichkeit empfunden.

Glauben Sie nicht, die Therapeutenrolle übernehmen zu können

Auch wenn Sie vielleicht ein paar Artikel oder Bücher über Depressionen gelesen haben, sind Sie noch lange nicht dazu befähigt, dem anderen wirklich zu helfen. Helfen kann allenfalls ein Fachmann und selbst das erst dann, wenn die akute Phase der Depression abgeklungen ist. Unterlassen Sie deshalb auf jeden Fall gutgemeinte Versuche, die Ursachen zu finden und die Person zu analysieren, indem Sie in der Vergangenheit, Kindheit oder Ehe des Betroffenen herumbohren. Das steht Ihnen weder zu, noch können Sie das leisten, noch wird es helfen.

Spielen Sie nicht den Handwerker

Gerade wenn uns der deprimierte Mensch wichtig ist, möchten wir gerne helfen. Uns fallen dann hundert Dinge ein, die der andere doch tun könnte, damit es ihm besser geht. Das Problem ist ja aber gerade, dass der andere in seiner Depression eben nichts tun kann. Und durch gut gemeinte praktische Tipps fühlt er oder sie sich noch unzulänglicher. Auch der Vorschlag, z.B. eine einfache Entspannungstechnik anzuwenden, kann dieses Gefühl auslösen.

Vermeiden Sie “schlaue Sprüche”

Überhaupt nicht hilfreich sind kluge Sprüche, die vielen Menschen in solchen Situationen einfallen, wie z.B. “Ja, wir alle haben unser Kreuz zu tragen.” oder “Jeder ist für sich selbst verantwortlich – es liegt bei Dir selbst, Dich besser zu fühlen.” oder “Jeder hat mal einen schlechten Tag – das geht vorbei.” Mit solchen Sprüchen zeigen Sie nur, dass Sie nicht verstanden haben, dass eine Depression ein echtes Leiden ist, aus dem der oder die Betroffene in diesem Moment nicht herauskommt. Aktiv werden und etwas ändern kann ein Depressiver nur nach der akuten Depression.

 

Zusammengefasst: Sagen Sie also bitte nie so etwas wie…

  • “Hör doch einfach mit dem Jammern auf.”
  • “Was willst du eigentlich – dir geht es doch so gut.”
  • “Reiß dich doch mal zusammen.”
  • “Das alles entsteht doch nur in deinem Kopf – hör’ einfach auf damit!”
  • “Niemand hat je gesagt, dass das Leben einfach ist.”
  • “Hör auf, dich selbst zu bemitleiden.”
  • “Sei nicht so kindisch.”
  • “Es gibt eine Menge Menschen, denen es viel schlechter geht – die würden gerne mit dir tauschen!”
  • “Es gibt soviel, für das du dankbar sein kannst.”
  • “Na ja, deprimiert ist ja jeder mal.”
  • “Morgen ist ein besserer Tag.”
  • “Nun lach doch mal!”
  • “Lass dich nicht so hängen – geh raus und tu etwas, mach ein bisschen Sport und geh unter Leute.”
  • “Wenn du lächelst, siehst du viel schöner aus.”
  • “Versuchs doch mal mit einem heißen Bad, das entspannt (oder einem Kamillentee, einem Stück Schokolade usw.)”
  • “Dabei ist heute so ein wunderschöner Tag!”
  • “Denk doch mal an deinen armen Mann (die Frau, die Kinder, die Mutter), der macht sich doch Sorgen. So etwas hat der nicht verdient.”
  • “Denk doch mal an was Schönes.”

All das sind Sätze, die einen deprimierten Menschen eher noch tiefer in seine schwarze Stimmung stürzen. Unterdrücken Sie bitte unbedingt solche oder ähnliche Äußerungen.

 

Was Sie tun können, wenn jemand depremiert ist

 

 

 

 

Wie schon gesagt: Viel können Sie leider nicht tun. Und weil das sehr frustrierend sein kann, ist es besonders schwer als Angehöriger und Freund einen depressiven Menschen zu begleiten.

Das was Sie tun können, besteht vor allem darin, die Depression zusammen mit dem Betroffenen durchzustehen – und zwar ohne Vorwürfe, ungehaltene Ausbrüche oder Frust, sondern mit viel Liebe und Verständnis.

Aktiv helfen können Sie erst nach der Depression

Aktiv helfen können Sie eigentlich erst dann, wenn die akute Depression nachlässt und die Person wieder “klar denken” kann. Falls Sie das Vertrauen dieser Person haben und sie Ihnen gestattet, überhaupt als “Helfer” aktiv zu werden, können Sie nach der akuten Depression weitere Schritte überlegen. Sie können sich z.B. anbieten zu einem Therapeuten mitzufahren, einmal gemeinsam nach Literatur zu suchen oder zu recherchieren, ob es eine Selbsthilfegruppe in der Nähe gibt. Aber – wie schon gesagt – erst wenn:

  • es der Person wieder besser geht und
  • Sie die Erlaubnis haben, zu helfen.

Und das können Sie in der depressiven Phase tun

In der Depression können Sie vor allem da sein und da bleiben. Es geht darum, einfach zusammen mit dem Deprimierten diese Phase durchstehen. Ohne Wenn und Aber und ohne kluge Ratschläge. Fragen Sie danach, was der andere braucht. Besorgen Sie vielleicht etwas besonders Leckeres zu essen, aber seien Sie nicht enttäuscht, wenn es nicht gegessen wird. Sie können sich sicher sein: Ihre liebevolle Aufmerksamkeit tut dem Deprimierten gut, auch wenn er oder sie es nicht zeigen kann. Besorgen Sie vielleicht auch ein paar frische Blumen. Verlassen Sie den Raum, wenn der andere allein sein möchte, aber bleiben Sie möglichst in der Wohnung – also verfügbar und ansprechbar, ohne sich aufzudrängen.

Angst nehmen und “Normalität” herstellen

Eine fundamentale Angst depressiver Menschen ist es, verlassen zu werden. Sie denken, dass sie nicht liebenswert sind und durch die Depression verschärft sich ihre Angst enorm. Es ist gut, wenn Sie diese Angst durch Worte und Verhalten auffangen können. Zeigen Sie, dass Sie den anderen mögen, indem Sie da sind. Und ganz wichtig: Sagen Sie es. Und das möglichst oft. Egal, wie oft der andere Ihre Worte in Zweifel zieht und auch wenn Sie das Gefühl haben, sich x-mal zu wiederholen.

Eine weitere Angst des Depressiven ist “verrückt” zu sein. Auch hier können Sie immer wieder mit Worten und Taten beschwichtigen und zum Ausdruck bringen, dass der andere nicht verrückt ist – am besten, indem Sie sich ganz normal verhalten und die Depression selbst annehmen.

Was Sie sagen können

Hier finden Sie einige hilfreiche Sätze, die Sie Menschen sagen können, die in einer depressiven Stimmung sind. Allerdings sagen Sie nie etwas, das Sie nicht auch ehrlich meinen. Depressive Menschen neigen dazu, kaum einem netten Wort zu glauben und zweifeln vieles an. Damit Sie sich von den dann möglichen Reaktionen nicht provozieren lassen und vielleicht zugeben müssen, etwas nur aus Trost zu sagen, sollten Sie lieber gleich ehrlich sein.

  • “Ich bin für dich da.”
  • “Ich mag (oder liebe) dich, ganz egal, wie es dir geht.”
  • “Möchtest du mal in den Arm genommen werden?”
  • “Kann ich etwas für dich tun?”
  • “Ich verlasse dich nicht.”
  • “Wir gehen da zusammen durch.”
  • “Du bist nicht allein – ich bin da.”
  • “Es tut mir leid, dass es dir so schlecht geht. Aber mach dir bitte keine Sorgen darüber, wie es mir geht, ich sorge gut für mich.”
  • “Für mich ist es wichtig mit dir zusammenzusein, ganz egal, wie es dir geht.”
  • “Ich kann natürlich nicht vollständig nachempfinden, wie es dir geht, aber ich sehe, wie sehr du leidest.”
  • “Wenn du reden willst – ich bin da. Es ist aber auch in Ordnung, wenn du nicht reden magst.”
  • “Es stört mich nicht, wenn du weinst. Ich liebe (mag) dich trotzdem.”
  • “Schlaf ruhig ein bisschen – du brauchst keine Angst haben, ich bin da, wenn du aufwachst.”
  • “Ruf mich jederzeit an, wenn du mich brauchst – ich komme. Auch nachts. 
Quelle:Zeit zu Leben
 

 

1.2.15 16:50

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