Frau Perfekt ist defekt!

Jetzt wird's ganz schön Krass...


Als im Oktober 2014 meine Tocher (12 Jahre) im Zuge meiner Therapie, einen Termin bei der Psychologin hatte, stellte sich heraus, dass sie seit einem jahr in der Schule gemobbt wurde. Sie wollte sich mir nicht anvertrauen, weil sie natürlich sah und erlebte, dass es mir schlecht ging. Also machte sie das Problem zunächst mit sich aus. Als der Druck zu groß wurde, verletzte sie sich selbst :-( An dem Tag als ich das erfuhr, habe ich gedacht ich muss sterben. So viel Schmerz und leid hatte ich lange nicht mehr gespürt und meine "selbgebaute Mauer" griff natürlich bei meinem Kind nicht. Ich habe gedacht ich drehe durch. Der Schmerz als ich ihre Verletzungen sah, die sie sich selbt zugefügt hatte, den kann ich nicht beschreiben. Ich glaube, wer in einer ähnlichen Situation war oder ist, der weiss wovon ich hier berichte.
Kraft hatte ich plötzlich wieder! Icvh weiss nicht woher! Ich griff auf meine Ressourcen zurück, das was ich konnte: perfekt funtionieren. Ich kümmerte mich erst um meine Tochter und ging dann systematisch vor. Termine machen, Kinderazt, Therapeutin, Ambulanz der psychiatrischen Klinik und das Gespräch mit der Schule. Da das Thema Schule nicht mehr zu retten war, begann ich, neue Schulen zu suchen. Die meisten haben uns abgelehnt, 6. Halbjahr in der Erprobungsstufe- ist ein Abenteuer ABER Frau Perfekt hat es ziemlich routiniert durchgewubbt. Mein Kind macht eine Therapie, geht auf eine neue Schule und ist zwar immer noch sehr angeschlagen, aber schliesslich sind es heute nur noch 4 Wochen bis zur Reha!
 
In dieser Phase konnte mich die Therapeutin auch überzeugen, ein Antidepressiva zu nehmen. Hingegen meiner Annahme, dass ein Antidepressiva beruhigend wirkt und süchtig macht, handelt es sich hier um einen Serotonin- Wiederaufnahme-Hemmer. Das heisst, das Medikament setzt sich an die Zellen, die das Serotonin wieder aufnehmen und blockiert die Wiederaufnahme. Das Gehirn bekommt dann die Meldung: Bitte mehr Serotonin ausschütten. Das gibt mir etwas Antrieb und ohne das Medikament wäre ich vermutlich längt hintern Zug gesprungen, aus dem Kellerfenster oder unter der Schwebebahn gelandet, aber Scherz beiseite- ich bin froh dass ich dieses Medikament habe.
 
Durch die Phase mit meiner Tochter, bin auch bereits bei der Höchstdosis angekommen, meine Seele hat aber einen anderen Weg gefunden, mir zu sagen dass hier etwas nicht richtig läuft. 
 
Ganz übel, zermürbend und gemein sind die Schuldgefühle!
Das beschreiben Experten so: "Einhergehend mit mangelnden Selbstwertgefühlen neigen depressive Menschen dazu, sich Fehler und Versäumnisse vorzuwerfen – und sich dafür im Sinne eines Schuldigen verantwortlich zu fühlen. Depressive Denkinhalte umfassen oft Themen, wie z.B. Schuld, Sünde, Schmutz, Armut und können sich manchmal bis hin zum Wahn steigern: die Angst um das Seelenheil oder den Besitz sowie die Neigung des depressiv Erkrankten, sich in seiner Nutz- und Wertlosigkeit selbst die Schuld dafür zu geben."  
 
Egal was in meiner Gegenwart gesprochen oder getan wird, ich lege es negativ gegen mich selbst aus. Wenn meinn Freund für uns einkaufen geht, fühlt sich das für mich ganz schrecklich an! Das hat sowas von "nicht mal das schaffst Du, jetzt muss der arme Kerl wegen Dir durch die Kälte und Du liegst auf der Couch rum", das ist nur eines von vielen Beispielen denn ich verwende jede Sitaution oder gesprochene Worte gegen mich.
 
Nachdem ich mit der Therapeutin über das Thema Perfektion sprach, kam ich schliesslich zu dem Schluss, dass ich gar nicht perfekt sein muss. Weil es mir nichts gibt. Anerkennung will ich gar nicht. Es geht mir nicht darum, dass mein Umfeld denkt: "Was hat sie wieder für eine tolle Torte für ihre Tochter gemacht" Ich dachte immer dass es mir darum geht, dass das Kind sich freut! Was natürlich zutrifft, aber nur bedingt! Denn das Kind freut sich auch über eine Torte die nicht 2 stöckig ist und vielleicht auch nur ein Bild vom Schneemann drauf ist, statt der Firgur die natürlich perfekt aussehen muss, damit ich zufrieden bin. Dabei fällt mir auf, dass ich nicht zufrieden bin! Ich musste leider ekennen und einsehen, dass ich einem Zwang unterliege. Ich MUSS das tun um das Gefühl zu haben ALLES PERFEKT gemacht zu haben, das Gefühl stellt sich aber nicht ein, weil ich mir selbst nie genüge und das widerum ist der Kern des Problems!
 
Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?
Schön wäre es!  Denn so ein Zwang, der gibt nicht auf und sagt: "joah ok, ich bin dann mal weg..." der verteidigt seine Position.
Ich habe nun also verstanden, dass ich nicht mehr perfekt sein muss, weil es mir nicht das gibt, was ich dachte. Also lasse ich es einfach! Soweit so gut. Ich verabrede mich mit meiner Schwester und einer langjährigen, guten Freundin zum Frühstück bei mir. Ich wollte das erste mal nicht perfekt sein. Da ich am Tag zuvor wieder den ganzen Tag grübelnd auf der Couch zubrachte, war aufräumen und saugen unumgänglich. Ich beschloss aber, mir keinen Druck zu machen. Denn mir war es wichtiger, Cupcakes und Mini-Gugls für das Frühstück zu backen. Da ich mich nicht gut fühlte, gibg ich in die Küvhe um mir einen Kaffee zu machen und danach mit dem backen zu starten. Ich stehe an der Kaffeemaschine und plötzlich sagt jemand zu mir: "Naaa Du faules Stück, machst Du Dir einen Kaffee statt zu putzen?" Ich erschrecke und drehe mich um, um das Radio auszuschalten, doch das war gar nicht an. Ich dachte schon ich spinne als die Stimme sagte: "Setz Dich mal schön auf Deine Couch- wie immer! Es wird schon jemand kommen und für dich putzen" Meine Kinder waren das nicht und ich muss auch dazu sagen, dass ich die Stimme jetzt gar nivht so sehr über mein Ohr wahrnahm, sonder in meinem Kopf. Stimmen hören? Nein!!! Da musste ich etwas falsch bewertet haben- dachte ich! Denn seitdem ist sie da. Ich nenne sie die blöde Kuh! Sie ist gemein und zwingt mich zu putzen, aufzuräumen, alles perfekt zumachen und wenn ich das nicht mache, dann beschimpft sie mich. Ich halte mich natürlich nicht für verrückt und die Ärztin sagt auch, dass ich nicht Schizophren bin, sondern meine Zwänge mich gerne weiter beherrschen wollen und man dann auch mal Stimmen hören kann die einem sagen was man tun soll. Also versuche ich den goldenen Mittelweg zu finden. Mich nicht von der Perfektion auffressen zu lassen, aber die Stimme mich möglichst in Ruhe lässt.
 

 

4.2.15 18:58

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen